Gerechtigkeit & Wohnen in Linz (Gruppe 3)

 

SEMINAR

„EINFÜHRUNG INS

WISSENSCHAFTLICHE ARBEITEN“,

WINTERSEMESTER 2024/25

 

Wie fair ist der Zugang zu
leistbarem und umweltfreundlichem Wohnraum in Linz?

 

vorgelegt von
Alina Hartl, Eduarta Hyseni, Alica Kranzmayr, Julian Kriener, Emily-Giulia Lausecker

 

Seminarleiter
Prof. Dr. Pascal Goeke

 

Wortzahl:
3657

 

Linz, 30. Jänner 2025

 

Inhaltsverzeichnis

1         Einleitung

2         Gerechtigkeit

2.1           Was versteht man unter Gerechtigkeit?

2.2           Der Wandel des Gerechtigkeitsbegriffs in der Philosophie

2.3           Die Dimensionen von Gerechtigkeit

3         Umweltgerechtigkeit

3.1           Geschichte des Begriffs Umweltgerechtigkeit

3.2           Gerechtigkeitskonzepte von der Umweltgerechtigkeit

3.3           Ansatz der Umweltgerechtigkeit

3.4           Zentrale Aspekte der Umweltgerechtigkeit

4         Wohnungspreise in Linz, Wien und dem ländlichen Oberösterreich im Vergleich

4.1           Einleitung

4.2           Aktuelle Wohnungspreise in Linz

4.2.1            Mietwohnungen

4.2.2            Eigentumswohnungen

4.2.3            Einflussfaktoren auf die Wohnungspreise in Linz

4.3           Aktuelle Wohnungspreise in Wien

4.3.1            Mietwohnungen

4.3.2            Eigentumswohnungen

4.4           Vergleich mit ländlichen Regionen Oberösterreichs

4.5           Teuerste und günstigste Immobilienpreise in Oberösterreichs Bezirken

4.6           Fazit

5         Umwelttransformationen in Linz

5.1           Urbanisierung und Umweltprobleme

5.2           Krisenbewältigung und Resilienz

5.3           Wechselwirkungen zwischen Stadt und Umland

5.4           Herausforderungen und zukünftige Perspektiven

6         Fazit

 

 

 

1      Einleitung

 

Die Frage nach Gerechtigkeit im Zugang zu leistbarem und umweltfreundlichem Wohnraum gehört zu den drängendsten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Vor allem in Städten wie Linz, wo der urbane Wohnungsmarkt durch hohe Nachfrage, steigende Preise und begrenzte Ressourcen geprägt ist, wird der Ruf nach mehr sozialer und ökologischer Fairness immer lauter.

Ein zentraler Fokus liegt auf den grundlegenden Konzepten der Gerechtigkeit, die als Leitfaden für eine faire Verteilung von Ressourcen dienen. Ergänzend dazu werden die Aspekte der Umweltgerechtigkeit behandelt. Das Konzept der Umweltgerechtigkeit verbindet ökologische mit sozialen Fragestellungen und stellt somit einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung eines gerechten Wohnungsmarktes dar.

Besonders relevant ist in diesem Zusammenhang die Analyse der Wohnungspreise in Linz und deren Vergleich mit anderen Regionen, wie Wien oder dem ländlichen Oberösterreich. Darüber hinaus betrachtet die Arbeit auch die Wechselwirkungen zwischen städtischer Entwicklung und ökologischen Transformationen. Die städtische Infrastruktur, die Umweltpolitik und die sozialen Bedingungen in Linz sind eng miteinander verflochten.

Diese Arbeit widmet sich der Untersuchung, wie gerecht der Wohnraum in Linz tatsächlich gestaltet ist, und beleuchtet die verschiedenen Dimensionen von Gerechtigkeit sowie die damit verbundenen Herausforderungen und Möglichkeiten. Außerdem ist es Ziel dieser Arbeit, aufzuzeigen, welche Maßnahmen erforderlich sind, um eine gerechtere Wohnraumgestaltung in Linz zu fördern. Dabei wird nicht nur die aktuelle Situation analysiert, sondern auch ein Blick in die Zukunft geworfen, um mögliche Lösungsansätze zu entwickeln, die ökologische, soziale und wirtschaftliche Perspektiven miteinander verbindet.

 

 

 

2      Gerechtigkeit

 

2.1    Was versteht man unter Gerechtigkeit?

Gerechtigkeit ist ein wichtiges Prinzip für das gesellschaftliche Zusammenleben. Sie wird als das Streben nach Fairness und Gleichbehandlung verstanden und ist ein zentraler Bestandteil von Recht und Wirtschaft. Jedoch ist Gerechtigkeit mehr als nur ein abstrakter Begriff, hierbei geht es darum, Menschen und Gruppen in einer Gesellschaft auf eine faire Weise zu behandeln. Der Fokus liegt hier vorallem darauf sowohl Rechte als auch Pflichten gerecht zu verteilen, damit jeder Mensch in der Gesellschaft die gleichen Chancen und Freiheiten hat. Gerechtigkeit hat in verschiedenen Bereichen unterschiedliche Bedeutungen. In der Philosophie wird sie oft als Tugend beschrieben, die sicherstellt, dass jeder das bekommt, was ihm zusteht. Sie ist auch eine Grundlage für die Entwicklung von Gesetzen und sozialen Normen, die darauf abzielen, Fairness und Gleichheit in einer Gesellschaft zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Ohne ein grundlegendes Verständnis von Gerechtigkeit ist es schwierig, soziale Stabilität und Nachhaltigkeit zu erreichen. (Vgl. studyflix.de, 2025)

 

 

2.2    Der Wandel des Gerechtigkeitsbegriffs in der Philosophie

Der Begriff der Gerechtigkeit hat sich über Jahrhunderte hinweg weiterentwickelt. In der antiken griechischen Philosophie, besonders bei Platon und Aristoteles, wurde Gerechtigkeit als eine göttliche Ordnung verstanden, die sowohl das Individuum als auch die Gesellschaft harmonisiert. Platon betrachtete Gerechtigkeit als eine Tugend, die zur seelischen Harmonie führt und die soziale Ordnung sichert. Für Aristoteles war Gerechtigkeit die Grundlage für das faire Zusammenleben, wobei er zwischen der „distributiven Gerechtigkeit“, die sich mit der gerechten Verteilung von Gütern befasst, und der „korrektiven Gerechtigkeit“, die den Ausgleich von Ungerechtigkeiten anstrebt, unterschied. Mit der Zeit wandelte sich der Gerechtigkeitsbegriff, vor allem durch die Entwicklung von politischen und sozialen Theorien. Im Mittelalter und in der Neuzeit, beeinflusst durch Denker wie Thomas von Aquin und John Locke, wurde Gerechtigkeit zunehmend mit der Idee von individuellen Rechten und Freiheiten verknüpft. In der Moderne, besonders im 20. Jahrhundert, wurde Gerechtigkeit auch im Hinblick auf soziale Ungleichheiten und die Verteilung von Ressourcen betrachtet. Philosophen wie John Rawls betonten die Bedeutung einer gerechten Gesellschaft, die den Schwächeren zugutekommt und soziale Gerechtigkeit fördert. Rawls' Theorie der „Gleichheit als Gerechtigkeit“ und seine Prinzipien der fairen Verteilung, insbesondere das „Differenzprinzip“, sind nach wie vor prägend für moderne Gerechtigkeitsdiskussionen. Heutzutage wird Gerechtigkeit oft als dynamisches Konzept verstanden, das sich an gesellschaftliche Veränderungen und neue soziale Herausforderungen anpasst. Dazu gehören Fragen der sozialen Gerechtigkeit, der Klimagerechtigkeit und der fairen Ressourcennutzung. Die Entwicklung des Gerechtigkeitsbegriffs spiegelt die komplexen und vielfältigen Anforderungen wider, die eine sich ständig wandelnde Gesellschaft an ein gerechtes System stellt. (Vgl. br.de, 2013)

 

2.3    Die Dimensionen von Gerechtigkeit

Gerechtigkeit hat in verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens unterschiedliche Bedeutungen. In Österreich werden vor allem folgende Dimensionen von Gerechtigkeit diskutiert:

1. Austeilende Gerechtigkeit (distributive Gerechtigkeit)

Die austeilende Gerechtigkeit beschäftigt sich mit der fairen Verteilung von Gütern, Rechten und Pflichten innerhalb einer Gesellschaft. Dabei wird nicht nur berücksichtigt, dass jeder seinen angemessenen Anteil erhält, sondern auch, dass Schwächere besonders geschützt werden. Beispiele für diese Dimension sind der Zugang zu Bildung, die Verteilung von Sozialleistungen, oder die Gestaltung des Steuersystems. Die austeilende Gerechtigkeit ist besonders wichtig, um soziale Ungleichheiten zu minimieren und ein Gleichgewicht in der Gesellschaft herzustellen.

2. Ausgleichende Gerechtigkeit (kommutative Gerechtigkeit)

Diese Form der Gerechtigkeit zielt darauf ab, entstandene Ungleichheiten oder Schäden zwischen Individuen auszugleichen. Sie ist vor allem in Bereichen relevant, in denen es um zwischenmenschliche Beziehungen und Austauschprozesse geht, wie etwa bei Verträgen, Arbeitsverhältnissen oder Schadensersatzforderungen. Die ausgleichende Gerechtigkeit stellt sicher, dass die entstandenen Nachteile für eine Partei durch angemessene Maßnahmen ausgeglichen werden und ein Gleichgewicht zwischen den Betroffenen hergestellt wird.

3. Verfahrensgleichheit

Die Verfahrensgleichheit konzentriert sich auf die Prozesse und Verfahren, die zu Entscheidungen führen. Es geht darum, dass diese Abläufe fair, transparent und unparteiisch sind. Ein Beispiel hierfür ist das Recht auf ein faires Gerichtsverfahren oder demokratische Entscheidungsprozesse. Diese Dimension stellt sicher, dass die Regeln nicht nur klar und nachvollziehbar sind, sondern auch von allen Beteiligten eingehalten werden, um das Vertrauen in die Institutionen zu stärken. Diese drei Dimensionen sind eng miteinander verknüpft und bilden die Grundlage für das Verständnis von Gerechtigkeit in Österreich. Während die austeilende Gerechtigkeit soziale Gleichheit fördert, sorgt die ausgleichende Gerechtigkeit dafür, dass individuelle Ungerechtigkeiten behoben werden. Die Verfahrensgleichheit garantiert dabei, dass die Prozesse, die zu diesen Entscheidungen führen, gerecht und transparent gestaltet sind. Gemeinsam tragen diese Dimensionen dazu bei, ein faires und harmonisches gesellschaftliches Zusammenleben zu ermöglichen. (Vgl. Rechteasy.at, o.J.)

 

Dieses Kapitel: „Gerechtigkeit“ wurde von Eduarta Hyseni (Matrikelnr.: 12410345) verfasst.

 

3      Umweltgerechtigkeit

Das Konzept (vgl. Bunge & Böhme, 2024) der Umweltgerechtigkeit zielt darauf ab, die Konzentration von gesundheitsgefährdenden Umweltbelastungen wie Lärm oder Luftverschmutzung in sozial benachteiligten Stadtteilen zu vermeiden oder zu reduzieren. Zudem soll den Bewohnerinnen und Bewohnern der Zugang zu gesundheitsfördernden Umweltressourcen, beispielsweise Grün- und Freiflächen, erleichtert werden. Dieses Thema berührt zahlreiche politische und interventionistische Bereiche und steht in Verbindung mit verschiedenen Strategien und Konzepten: von der nachhaltigen Stadtentwicklung über kommunale Klimaschutzstrategien und Ansätze für eine gesunde und soziale Stadt bis hin zu gesundheitsfördernden und präventiven Maßnahmen, die soziale Lebensbedingungen berücksichtigen.

Zudem behandelt die Umweltgerechtigkeit Fragen der sozialen und räumlichen Verteilung von gesundheitsrelevanten Umweltbelastungen sowie den Zugang zu gesundheitsfördernden Umweltressourcen. Forschung und Praxis in diesem Bereich verknüpfen die Themen Umwelt, Gesundheit und soziale Lage und schließen an den Public-Health-Diskurs zur gesundheitlichen Ungleichheit an (vgl. Bunge & Böhme, 2024).

 

3.1     Geschichte des Begriffs Umweltgerechtigkeit

Der Begriff Umweltgerechtigkeit hat seine Ursprünge in den USA. In den frühen 1980er Jahren entstand dort die Bewegung der „Environmental Justice“, die zunächst durch lokale Protestgruppen geprägt wurde. Insbesondere afroamerikanische Bürgerrechtsbewegungen setzten sich gegen den Bau von Mülldeponien und andere umweltbelastende Industrieansiedlungen in ihren Wohngebieten zur Wehr. In Deutschland erlangte der Begriff Umweltgerechtigkeit erst zu Beginn der 2000er Jahre zunehmend an Bedeutung.

Im deutschsprachigen Raum wird Umweltgerechtigkeit als normatives Leitbild betrachtet. Der Fokus liegt darauf, gesundheitliche Belastungen durch Umweltfaktoren gezielt dort zu vermeiden oder zu reduzieren, wo sich nachteilige Bedingungen in Bezug auf Umweltqualität, Gesundheit und soziale Lage überschneiden. Gleichzeitig soll ein möglichst gleicher Zugang zu gesundheitsfördernden Umweltressourcen für alle Menschen sichergestellt werden (vgl. Bunge & Böhme, 2024).

 

3.2    Gerechtigkeitskonzepte von der Umweltgerechtigkeit

Im Kontext von Umwelt- und Klimagerechtigkeit lassen sich drei zentrale Gerechtigkeitskonzepte unterscheiden: Verteilungs-, Verfahrens- und Anerkennungsgerechtigkeit. Diese Konzepte überschneiden sich in der Praxis, bieten jedoch eine hilfreiche Struktur zur Analyse von Partizipationsprozessen (vgl. Hein & Klepp, 2023).

  • Verteilungsgerechtigkeit beschreibt die gerechte Verteilung von Umweltbelastungen und -vorteilen, etwa bei Schadstoffbelastungen oder der Verteilung von Kosten und Profiten in Krisensituationen.
  • Verfahrensgerechtigkeit betont die Notwendigkeit demokratischer und inklusiver Entscheidungsprozesse, um faire Umweltbedingungen zu gewährleisten.
  • Anerkennungsgerechtigkeit hebt die Berücksichtigung aller betroffenen Gruppen und deren Perspektiven hervor, einschließlich der Frage, wessen Interessen vorrangig sind – beispielsweise das Wohl vieler oder einzelner Betroffener.

Die Herausforderung besteht darin, diese Interessen zu berücksichtigen, obwohl sie nicht selbst artikuliert werden können. Zudem gibt es keine absolute Definition von Gerechtigkeit, sondern verschiedene, oft widersprüchliche Bewertungen, die abgewogen und verhandelt werden müssen. (vgl. Hein & Klepp, 2023)

Es ist wichtig, den Begriff „Umweltgerechtigkeit“ klar von „umweltgerecht“ abzugrenzen. Während Letzteres vor allem für umweltverträgliche Handlungs- und Produktionsweisen genutzt wird und sich darauf bezieht, wie menschliche Aktivitäten Ökosysteme beeinflussen, umfasst Umweltgerechtigkeit die soziale Verteilung und den Zugang zu Umweltfaktoren wie Wasser, Boden, Luft oder Klima (vgl. Bunge & Böhme, 2024).

3.3    Ansatz der Umweltgerechtigkeit

Der Ansatz der Umweltgerechtigkeit bezieht sich nicht nur auf gesundheitliche Belastungen, sondern umfasst auch den Zugang zu Umweltressourcen sowie deren nachhaltige Gestaltung. Eine zentrale Rolle spielen dabei Grün- und Freiflächen, die vielseitige Funktionen erfüllen: Sie tragen zur Klimaregulierung bei, wirken als natürliche Barrieren gegen Lärm und dienen als Filter für Schadstoffe. Gleichzeitig bieten sie der städtischen Bevölkerung Möglichkeiten zur Erholung, Bewegung sowie für soziale Begegnungen und Naturerfahrungen.Gerade in dicht bebauten Stadtteilen können wohnortnahe Grünflächen dazu beitragen, Übergewicht vorzubeugen und die motorische Entwicklung von Kindern zu fördern. Forschungsergebnisse legen zudem nahe, dass städtische Grünflächen einen positiven Einfluss auf die kognitive und emotionale Entwicklung in den ersten Lebensjahren haben. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass diese frei zugänglich, nutzbar und in hoher Qualität für alle Bevölkerungsgruppen gestaltet sind (vgl. Bunge & Böhme, 2024).

3.4    Zentrale Aspekte der Umweltgerechtigkeit

Ein wichtiger Bestandteil der Umweltgerechtigkeit ist die frühzeitige Einbindung der Anwohnerinnen und Anwohner, die von der Gestaltung oder Neugestaltung von Grün- und Freiflächen betroffen sind. Idealerweise sollte dies bereits während der Planungsphase geschehen. Allerdings stellt die gleichberechtigte Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen eine große Herausforderung dar. Besonders sozial benachteiligte Menschen werden durch klassische Beteiligungsformate, wie etwa Frontalveranstaltungen, oft nicht erreicht. Gründe dafür können sprachliche Barrieren, kulturelle Unterschiede oder mangelnder Zugang zu relevanten Informationen sein (vgl. Bunge & Böhme, 2024).

Trotz dieser Schwierigkeiten gibt es zahlreiche erfolgreiche Beispiele für Bürgerbeteiligung. Auf kommunaler Ebene haben einige Projekte gezeigt, dass durch geschlechtssensible und generationenübergreifende Ansätze auch schwer erreichbare Gruppen – darunter Kinder, Jugendliche und Erwachsene – aktiv in Planungs- und Gestaltungsprozesse einbezogen werden können (vgl. Bunge & Böhme, 2024).

Dieses Kapitel: „Umweltgerechtigkeit“ wurde von Emily-Giulia Lausecker (Matrikelnr.: 12419150) verfasst.

 

4      Wohnungspreise in Linz, Wien und dem ländlichen Oberösterreich im Vergleich

 

4.1    Einleitung

Die Diskussion um leistbaren Wohnraum in Österreich ist ein zentrales gesellschaftspolitisches Thema. In Städten wie Linz wird diese Frage durch die dynamische Entwicklung der Immobilienpreise besonders relevant. Während Wien aufgrund seiner Größe und Bedeutung als Hauptstadt eine Sonderrolle einnimmt, haben ländliche Regionen in Oberösterreich oft ganz andere Rahmenbedingungen für die Preisgestaltung. In diesem Kapitel werden die aktuellen Wohnungspreise in Linz detailliert dargestellt, die wichtigsten Faktoren für die Preisentwicklung analysiert und ein Vergleich mit den Preisen in Wien sowie in ländlichen Gebieten Oberösterreichs gezogen.

4.2    Aktuelle Wohnungspreise in Linz

4.2.1   Mietwohnungen

Im Mietbereich sind die Unterschiede je nach Wohnungsgröße ebenfalls bedeutsam. Im Gegensatz zu den Eigentumswohnungen, liegen die Mietpreise einer Wohnung im Schnitt bei 14,63 Euro pro Quadratmeter. Kleinere Wohnungen bis 50 m² erzielen durchschnittlich 16,61 Euro pro Quadratmeter, während Wohnungen zwischen 81 und 129 m² mit 13,63 Euro/m² günstiger sind. Der Linzer Mietmarkt ist somit geprägt von einer hohen Nachfrage nach kleinen, zentral gelegenen Wohnungen (vgl. Immopreise.at, o.J.).

4.2.2   Eigentumswohnungen

Für kleinere Eigentumswohnungen bis zu 30 m² zahlen Käufer:innen im Durchschnitt 5.231,10 Euro pro Quadratmeter. Größere Wohnungen, z. B. mit einer Fläche zwischen 60 und 100 m², sind vergleichsweise günstiger pro Quadratmeter und bewegen sich zwischen 4.799,38 und 5.554,84 Euro. Dies zeigt den Trend, dass kleinere Wohnungen aufgrund der höheren Nachfrage einen höheren Preis pro Quadratmeter erzielen (vgl. Wohnungsbörse.net, o.J.).

4.2.3   Einflussfaktoren auf die Wohnungspreise in Linz

Die Preisgestaltung auf dem Linzer Wohnungsmarkt wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst, die sich teilweise überschneiden. Einer der wichtigsten Einflussfaktoren ist die Wohnungsgröße und vor allem der Zustand der Wohnung.

 

4.2.3.1       Wohnungsgröße und Zustand

Die Größe einer Wohnung spielt eine entscheidende Rolle bei der Preisgestaltung. Während kleinere Wohnungen höhere Quadratmeterpreise erzielen, sind größere Wohnungen insgesamt teurer, jedoch günstiger pro Quadratmeter (vgl. Wohnungsbörse.net, o.J.). Auch der Zustand der Immobilie, ob neu oder saniert, beeinflusst den Preis maßgeblich. Neuere oder vollständig renovierte Wohnungen erzielen auf dem Markt höhere Preise (vgl. Immopreise.at, o.J.).

 

4.3    Aktuelle Wohnungspreise in Wien

Ein Vergleich zwischen Linz und Wien zeigt deutlich, wie sich die Wohnungsmärkte im österreichischen Wohnungsmarkt unterscheiden. In den nächsten zwei Absätzen werden die Preise von Miet- und Eigentumswohnungen in Wien geschildert.

 

4.3.1   Mietwohnungen

Wien, mit einer Einwohnerzahl von über 1,9 Millionen (vgl. Statistik Austria, 2023), weist ein weitaus höheres Preisniveau auf. Der durchschnittliche Mietpreis für Wohnungen liegt in Wien bei 16,93 Euro pro Quadratmeter. In zentralen Bezirken wie der Inneren Stadt können die Preise jedoch bis zu 24,47 Euro pro Quadratmeter betragen (vgl. Immopreise.at, o.J.).

 

4.3.2   Eigentumswohnungen

Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen in Wien variieren stark je nach Bezirk. Während in innerstädtischen Lagen Preise von über 10.000 Euro pro Quadratmeter keine Seltenheit sind, sind in Außenbezirken wie Simmering oder Favoriten Preise im Durchschnitt von 3.688 und 3.835 Euro/m² möglich. Dies zeigt, dass Wien insgesamt ein deutlich höheres Preisniveau hat, was auf die starke Nachfrage und das begrenzte Angebot zurückzuführen ist (vgl. Immopreise.at, o.J.).

 

4.4    Vergleich mit ländlichen Regionen Oberösterreichs

Während Städte wie Linz und Wien mit hohen Preisen kämpfen, sind die Immobilienkosten in ländlichen Gebieten Oberösterreichs deutlich geringer. Laut Finanz.at (o.J.) liegen die durchschnittlichen Kaufpreise für Eigentumswohnungen in ländlichen Regionen Oberösterreichs bei rund 2.635 Euro pro Quadratmeter.

 

4.5    Teuerste und günstigste Immobilienpreise in Oberösterreichs Bezirken

Von den 18 Bezirken in Oberösterreich ist der Bezirk, in dem die Preise für die Immobilien am höchsten sind, der Bezirk Linz (Stadt), gefolgt von Vöcklabruck. Im Bezirk Linz (Stadt) liegen die Kosten für eine Immobile im Durchschnitt bei 3.515/m2 Euro während die Kosten in Vöcklabruck bei 2.911 Euro/m2 liegen. Der Bezirk Rohrbach weist von allen Bezirken in Oberösterreich die günstigsten Immoblilienpreise mit 1.842 Euro/m2 auf (vgl. Finanz.at, o.J.).

 

4.6    Fazit

Die Analyse der Wohnungspreise in Linz zeigt, dass sich die Stadt preislich zwischen der teuren Hauptstadt Wien und den günstigeren ländlichen Regionen Oberösterreichs positioniert. Die Preise in Linz werden durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Ein Vergleich mit Wien und den ländlichen Gebieten Oberösterreichs offenbart die Unterschiede in Angebot und Nachfrage. Die Herausforderung der Zukunft wird darin bestehen, leistbaren Wohnraum zu schaffen, der auch den Ansprüchen an Nachhaltigkeit gerecht wird.

 

Dieses Kapitel: „Wohnungspreise in Linz, Wien und dem ländlichen Oberösterreich im Vergleich“ wurde von Alica Kranzmayr (Matrikelnr.: 61902118) und Alina Hartl (Matrikelnr.: 12411600) verfasst.

5      Umwelttransformationen in Linz

Zwischen 1700 und 1900 erlebte Linz tiefgreifende Veränderungen ihrer städtischen Umwelt, die eng mit gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen verbunden waren. Die Transformation dieser Zeitspanne wurde geprägt durch die Herausforderungen der Vormoderne, den Übergang zur Industrialisierung und die Anpassung an neue technische und infrastrukturelle Anforderungen.

 

5.1    Urbanisierung und Umweltprobleme

Mit der fortschreitenden Industrialisierung und Urbanisierung im 19. Jahrhundert wurden in Linz traditionelle Umweltprobleme, wie mangelhafte Wasserversorgung und unhygienische Bedingungen, zunehmend sichtbar. Die dezentrale Wasserversorgung, die lange Zeit dominierte, konnte den wachsenden Bedürfnissen der Bevölkerung nicht mehr gerecht werden. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden zentralisierte Wasserversorgungs- und Abwassersysteme eingeführt, um die Gesundheitsbedingungen zu verbessern und Epidemien wie die Cholera einzudämmen. Diese Entwicklung markierte einen bedeutenden Fortschritt in der städtischen Infrastruktur, führte jedoch auch zu neuen Herausforderungen wie der Regulierung der Abwasserentsorgung und der Anpassung an klimatische Veränderungen. (vgl. Stöger, G. 2020)

Parallel dazu veränderte sich die Nutzung von Flüssen und anderen Gewässern. Die Donau, die im Leben der Linzer Bevölkerung eine zentrale Rolle spielte, wurde zunehmend reguliert, um Hochwassergefahren zu minimieren und die Schifffahrt zu erleichtern. Diese Eingriffe hatten weitreichende ökologische Folgen und veränderten die Beziehung zwischen natürlicher Umwelt und Stadt nachhaltig.

 

5.2    Krisenbewältigung und Resilienz

Naturereignisse und Krisen waren zentrale Elemente, die die Transformation der städtischen Umwelt in Linz beeinflussten. Hochwasser, Epidemien und klimabedingte Ernteausfälle stellten wiederkehrende Herausforderungen dar. Die Stadt reagierte darauf mit einem Ausbau der technischen Infrastruktur sowie der Einführung von Hygienemaßnahmen und neuen Verwaltungsstrukturen. Beispielsweise führte das Jahr „ohne Sommer“ 1816, das durch den Ausbruch des Vulkans Tambora verursacht wurde, zu einer Versorgungskrise, die die Verwundbarkeit der städtischen Bevölkerung verdeutlichte.

Die Anpassung an solche Krisen förderte die Resilienz der Stadt. Die Einführung moderner Infrastruktur, wie Kanalisation und öffentlicher Grünanlagen, trug dazu bei, Linz besser gegen zukünftige Herausforderungen zu wappnen. Öffentliche Parks und Grünflächen wurden nicht nur als Erholungsorte geschaffen, sondern auch als Mittel zur Verbesserung des Stadtklimas und zur Förderung der städtischen Hygiene.

 

5.3    Wechselwirkungen zwischen Stadt und Umland

Die Beziehung zwischen Linz und seinem Umland war ein weiterer zentraler Aspekt der Umwelttransformation. Die städtische Expansion erforderte eine intensive Nutzung der Ressourcen des Umlands, was zu einer Veränderung der ökologischen und sozioökonomischen Dynamiken führte. Während die Stadt ihre „ökologische Grenze“ erweiterte, wurden grüne Räume innerhalb der Stadt neugestaltet, um den Bedürfnissen der urbanen Bevölkerung gerecht zu werden.

Diese Urbanisierung von Natur spiegelte sich auch in der Nutzung und Wahrnehmung von Umwelt wider. Stadtbewohner begannen, Natur als Erholungsraum zu schätzen, was zur Schaffung Promenaden und öffentlicher Parks führte. Gleichzeitig waren viele dieser Entwicklungen anthropozentrisch motiviert, wobei die Verbesserung der Lebensqualität der städtischen Bevölkerung im Vordergrund stand. (vgl. Stöger, G. 2020)

 

5.4    Herausforderungen und zukünftige Perspektiven

Trotz der bemerkenswerten Fortschritte standen die Bewohner von Linz weiterhin vor zahlreichen Herausforderungen, die eine nachhaltige Gestaltung der städtischen Umwelt erschwerten. Die Industrialisierung brachte nicht nur wirtschaftliche und technische Vorteile, sondern führte auch zu neuen Umweltbelastungen wie Luft- und Wasserverschmutzung. Der steigende Energiebedarf und die zunehmende Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen veränderten die ökologische Balance der Stadt und ihres Umlandes erheblich.

Darüber hinaus zeigte sich, dass die Anpassung an Naturgefahren und klimatische Extreme ein kontinuierlicher Prozess blieb. Hochwasserschutzmaßnahmen an der Donau wurden stetig verbessert, doch die Bedrohung durch Extremereignisse blieb weiterhin bestehen. Gleichzeitig wuchs das Bewusstsein für die Notwendigkeit, natürliche Ressourcen nachhaltiger zu nutzen und die städtische Infrastruktur entsprechend anzupassen.

Die Umweltgeschichte von Linz zwischen 1700 und 1900 zeigt eindrücklich, wie soziale, ökologische und wirtschaftliche Faktoren ineinandergriffen, um die Entwicklung der Stadt zu formen. Die Balance zwischen Nachhaltigkeit und Fortschritt blieb eine ständige Herausforderung, die auch für heutige Stadtplanungsprozesse von Bedeutung ist. Linz dient dabei als Beispiel für eine Stadt, die sich immer wieder neu anpassen musste und dabei sowohl von ihren natürlichen Ressourcen als auch von der Innovationskraft ihrer Bewohner profitierte.

 

Dieses Kapitel: „Umwelttransformation in Linz“ wurde von Julian Kriener (Matrikelnr.: 12311041) verfasst.

 

 

6      Fazit

Die vorliegende Arbeit hat verdeutlicht, dass der Zugang zu leistbarem und umweltfreundlichem Wohnraum in Linz von einer Vielzahl komplexer Faktoren beeinflusst wird. Die Analyse der Gerechtigkeitsdimensionen hat gezeigt, dass insbesondere benachteiligte Bevölkerungsgruppen von den bestehenden Herausforderungen betroffen sind, sei es durch steigende Mietpreise, unzureichende Wohnungsangebote oder ungleiche Verteilung von Umweltressourcen.

Die Untersuchung der Wohnungspreise hat ergeben, dass Linz eine mittlere Position zwischen der teuren Hauptstadt Wien und den günstigeren ländlichen Gebieten Oberösterreichs einnimmt. Während kleinere Wohnungen in zentraler Lage aufgrund der hohen Nachfrage oft überdurchschnittlich teuer sind, bieten größere und periphere Wohnungen eine gewisse finanzielle Entlastung. Dennoch bleibt die Schaffung von leistbarem Wohnraum eine der größten Aufgaben für die Stadtpolitik.

Besonders hervorgehoben wurde in dieser Arbeit die Bedeutung der Umweltgerechtigkeit, die nicht nur die gerechte Verteilung von Belastungen und Ressourcen betont, sondern auch die aktive Einbindung der Bevölkerung in Planungs- und Entscheidungsprozesse fordert. Die Entwicklung von Grün- und Freiflächen sowie nachhaltige städtische Infrastrukturen sind essenziell, um sowohl die Lebensqualität als auch die ökologische Resilienz zu steigern.

Zusammenfassend zeigt sich, dass eine gerechte Wohnraumgestaltung in Linz nur durch eine integrative Herangehensweise möglich ist, die soziale, wirtschaftliche und ökologische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Zukünftige Maßnahmen sollten darauf abzielen, den sozialen Wohnungsbau zu fördern, innovative Ansätze für nachhaltige Stadtentwicklung zu etablieren und die Bürger:innen stärker in politische Prozesse einzubinden. Nur so kann es gelingen, eine Stadt zu schaffen, in der Wohnraum nicht nur ein Grundbedürfnis, sondern auch ein Ausdruck von Fairness und Lebensqualität ist.

 

Literaturverzeichnis

Bayern 2 Radiowissen. (2013). Gerechtigkeit im Wandel der Philosophie: Das Thema. Abgerufen am 06. Jänner 2025 von Gerechtigkeit im Wandel der Philosophie: Das Thema | Ethik und Philosophie | radioWissen | Bayern 2 | Radio | BR.de

Bunge, C., & Böhme, C. (2024). Umweltgerechtigkeit. In Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (Hrsg.), Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention: Glossar zu Konzepten, Strategien und Methoden. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Abgerufen am 06. Jänner 2025 von https://leitbegriffe.bzga.de/alphabetisches-verzeichnis/umweltgerechtigkeit/

Finanz.at. (o.J.). Immobilienpreise in Oberösterreich. Abgerufen am 16. Dezember 2024 von https://www.finanz.at/immobilien/immobilienpreise/oberoesterreich/

Hein, J., & Klepp, S. (Hrsg.). (2023). Umweltgerechtigkeit und sozialökologische Transformation: Konflikte um Nachhaltigkeit im deutschsprachigen Raum. transcript Verlag.

Immopreise.at. (o.J.). Immobilienpreise Linz und Wien. Abgerufen am 16. Dezember 2024 von https://immopreise.at/Oberoesterreich/Wohnung

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Statistik Austria. (2023). Bevölkerung nach Gemeinden am 1. Jänner 2023. Abgerufen am 16. Dezember 2024 von https://www.statistik.at

Studyflix. (2025). Was ist Gerechtigkeit? Abgerufen am 06. Jänner 2025 von Gerechtigkeit • Was ist Gerechtigkeit? Soziale Gerechtigkeit · [mit Video]

Stöger, G. (2020). Transformationen städtischer Umwelt. Das Beispiel Linz, 1700 bis 1900. Wien: Böhlau Verlag Wien

Wohnungsbörse.net. (o.J.). Immobilienpreise Linz. Abgerufen am 16. Dezember 2024 von https://www.wohnungsboerse.net/AT/immobilienpreise-Linz/16691